Apatzingán, in der Mitte des mexikanischen Bundesstaates Michoacán, ist ein Loch. Eine heiße, staubige Kleinstadt zwischen Sierra Madre und Pazifikküste mit niedrigen, halbfertigen Backsteinhäuschen.
Apatzingán ist zu allem Überfluss auch noch ziemlich unbedeutend: Überregional bekannt ist es höchstens noch wegen seiner besonders scharfen Salsa Roja oder weil dort 1814 die erste mexikanische Verfassung unterzeichnet wurde. Ansonsten kennt man Apatzingán wegen seiner Verstrickungen in den Drogenhandel.
Der prägt das Stadtbild: dicke, polierte Pick-ups, manche mit US-Kennzeichen, Edelwagen, über die man selbst in München staunen würde (sogar in der Maximiliansstraße), eine Bierpinte an der anderen und dazwischen Sex-Shops, Auto-Supermärkte (in denen man bequem vom Pick-up aus Bier einkaufen kann) und Table-Dance-Bars.
Mitten in Apatzingán, neben dem Museum, das der Verfassung von 1814 gewidmet ist, steht die Kathedrale, Stil art déco, verlassen zwischen den ein- oder zweistöckigen Wohnhäusern, Straßenständen und verfallenen Läden.
In der Kathedrale arbeitet Padre Andrés Larios. Und er ärgert sich über das, was jeden Abend auf dem Marktplatz vor seiner Kathedrale über den Beton spazieren gefahren wird: Dicke, glänzende Karossen mit heruntergelassenen Fenstern, aus denen die Musik – zumindest in Apatzingán – beliebter Bands wabert, die das Leben von Drogenschmugglern preisen und Schießereien als echtes Erlebnis besingen.
Abends ist Pater Andrés zwar aus Prinzip nicht mehr auf der Straße. Er ärgert sich aber über die stillschweigende Akzeptanz, mit der die Spazierfahrten in Apatzingán hingenommen werden. Und über die soziokulturelle Dimension, die der Drogenhandel (= Narcotrafico) in seiner Stadt – und bei seinen Schäfchen – eingenommen hat.
Larios spricht von einer regelrechten Narcocultura: „Selbst die Elfjährigen antworten heute, wenn man sie nach ihrem Berufswunsch fragt, mit Drogenboss. Wenn ich dann frage warum, kommt immer dieselbe Antwort: Die haben die größten Autos, verdienen am meisten Geld, sagen sogar der Polizei, wo es langgeht und bekommen die schönsten Frauen.“
Pater Andés hat deshalb eine Jugendgruppe gegründet – um die Schüler davon zu überzeugen, dass sie besser leben, wenn sie sich nicht mit den Narcotraficantes einlassen.
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