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Kommando Koks

Kolumbiens Drobenbosse rüsten auf – und der Staat hält dagegen. Auf einer eigenen Kokaplantage lenrt die Polizei, wie man die Pflanze effektiv ausrottet.

Kommando Koks: Ein kolumbianischer Polizist kämpft mit unkonventionellen Methoden gegen die Drogenbosse. Den Text gibt es hier: Zeit Wissen 2/2013 [Seite 90] …allerdings nur im Heft.

Nachtrag /28.3.: Kommando Koks gibt es jetzt auch im Netz auf Zeit Online zu lesen.

wo die polizei das kokain erntet

Die Polizei in Kolumbien baut Koka-Pflanzen an. Das klingt absurd, hat aber einen Sinn: Wer weiß, wie die Sträucher wachsen, der weiß auch wie sie sich anderswo zerstören lassen. Ein Besuch auf der Plantage.

Cultivo Experimental Hoja de Coca, steht auf einem Schild neben der Hütte: „Kokaversuchsplantage“. Die Idee hinter den grünen Felder ist eigentlich absurd: Cepeda baut hier eine Pflanze an, damit seine Kollegen von der Antidrogenpolizei genau diese Pflanze an anderer Stelle noch schneller vernichten können. Cepeda erforscht, wie man den Kokastrauch am effektivsten zerstört.

Der Antidrogenpolizist Luis Cepeda kennt sie alle: die schwarze und rote Bolivianerin, die peruanische Tingo und die Pajarita. 23.000 Pflanzen hat der Antidrogenpolizist mit dem grünen Daumen auf seiner Plantage. 18 Sorten, von denen viele bisher nur wenig erforscht sind. Kolumbien ist der weltweit größte Produzent von Kokain – und in den Blättern der Kokasträucher befindet sich die Grundzutat. Deshalb finanziert neben der kolumbianischen Antidrogenpolizei auch die USA die Forschung in Cepedas Plantage.

Auf der Anlage hat Cepeda deshalb sogar ein eigenes Drogenlabor, in dem er Kokain herstellt. Seine Erkenntnisse kritzelt er in ein Notizbuch, seine Berichte gehen um die ganze Welt.

Hier gibt es den Besuch auf der Kokaplantage zum Anhören (Drogenbekämpfung mit dem grünen Daumen) oder sich einfach zu den Kollegen von bayern2 klicken.

Und jetzt wird auch noch darüber gestritten, wie viel Kokain denn wirklich in Kolumbien produziert wird. Abweichende Zahlen präsentierten vor kurzem die beiden wichtigsten Analysten: nämlich die Vereinten Nationen und die Vereinigten Staaten. Hier die wichtigen Links:

Die kolumbianische Regierung hat jedenfalls nach den Berichten gleich mal ihre Antidrogenstrategie überarbeitet.

neverending? war on drugs

Der kolumbianische Staat bekämpfte die Drogenmafia in den 90er Jahren mit brutaler Härte. Erst starb Pablo Escobar, dann wurde auch das Cali-Kartell zerschlagen. Doch dem Drogenhandel hat das anscheinend nicht wirklich geschadet. Kolumbien ist heute der weltweit größte Produzent von Kokain.

Weil die alte Antidrogenpolitik anscheinend nicht gewirkt hat, will Kolumbien jetzt neue Wege gehen – nämlich den, Drogen zumindest teilweise zu legalisieren. Das überlegt nicht irgendwer, sondern Juan Manuel Santos, der Präsident Kolumbiens.

“Trotz unserer größten Bemühungen müssen wir heute doch eines zugeben: Der Handel mit illegalen Drogen geht weiter. Wir müssen deshalb neue Wege suchen, dieser Herausforderung zu begegnen (…). Wenn das die Legalisierung bedeutet und sich die ganze Welt darüber einig ist, würde ich es begrüßen.”

Neu ist diese Idee nicht, dass sich jetzt aber ausgerechnet ein kolumbianischer Präsident für die Entkriminalisierung einsetzt, überrascht schon. Denn in Sachen fortschrittlicher Drogenpolitik, galt Kolumbien bisher als das Bayern Lateinamerikas. Ricardo Vargas, Soziologe vom  Transnational Institute in Bogotá, begrüßt den Kurs der Regierung.

“Kolumbien war bei der Frage der Legalisierung von Drogen lange sehr zurückhaltend. Wenn man uns mit Argentinien oder Mexiko vergleicht, hinken wir auch noch immer hinterher. Aber endlich bewegt sich auch in Kolumbien etwas. Endlich überlegen auch wir wenigstens den Anbau und Besitz von Marihuana zu legalisieren, wenn es für den eigenen Konsum bestimmt ist.”

Mit der Legalisierung, schätzt Vargas, würde die Gewalt abnehmen. Drogen würden billiger werden und damit könnte auch die Beschaffungskriminalität sinken. Nebenbei würde es auch sicherer werden, Drogen zu kaufen. Denn wer etwas kaufen will, der findet reichlich in Kolumbien. In den Straßen des Viertels Chapinero in Bogotá kostet ein Gramm Kokain und ein paar Joints keine 20.000 Pesos, weniger als zehn Euro. (Wer sucht und gut verhandelt, bekommt ein Gramm Kokain für 2$.) Wenn man ein wenig Trinkgeld drauflegt, bringt einem ein Kurier den Einkauf sogar nach Hause. Wer weniger Geld hat, muss in unsicherer Gegenden fahren, um sich einzudecken.

Für Vargas geht die angedachte Legalisierung von Marihuana aber nicht weit genug: Das eigentlich Problem sei der Export und damit vor allem das Kokain. Und da müssten auch die USA mitmachen, damit sich wirklich etwas ändert.