Schlagworte: Kolumbien

Frauen auf der Flucht

Jeder zehnte Kolumbianer ist heimatlos, ein Vertriebener, ein Flüchtling im eigenen Land. Mehr als vier Millionen Menschen mussten aufgrund des langjährigen bewaffneten Konflikts zwischen Guerilla, Regierung und paramilitärischen Gruppen aus ihrer Heimat fliehen.

Die meisten zog es vom Land an den Rand der Großstädte – oft ohne Arbeit, Geld und Perspektive. Zurückkehren wollen viele trotzdem nicht, sie haben Angst, in ihrer alten Heimat zwischen die Fronten zu geraten. Doch auch die neuen Wohnorte sind nicht sicher. Besonders gefährdet sind vertriebene Frauen, die dort sexueller Gewalt ausgesetzt sind: Viele sind zudem ohne ihre Partner in die Stadt geflohen und müssen nun allein für das Einkommen der Familie sorgen und sich um die Kinder kümmern.

 In vielen Städten schließen sich die Frauen jetzt zu Interessengruppen zusammen: selbstbestimmt, selbstorganisiert und als Beispiel für andere. “Wir sind Hausfrauen und Bäuerinnen, die sich” – wie die Frauen der Karibikstadt Cartagena selbstbewusst sagen – “innerhalb von wenigen Jahren in Aktivistinnen verwandelt haben”. Doch wer sich für die Rechte von Binnenvertriebenen einsetzt, lebt gefährlich. Mehrere Friedensaktivistinnen sind in den vergangenen Jahren bedroht, einige sogar ermordet worden. Für den Bayerischen Rundfunk habe ich die heimatlosen Frauen begleitet.

Hier geht`s zur Sendungsseite: Frauen auf der Flucht – Breitengrad

Hier kann man die Sendung anhören oder runterladen: zum BR-Podcast-Center

Ein Labor gegen das Verschwinden

Ein Gebiss und ein paar Knochen – Kolumbianische Forensiker versuchen, seit Jahren verscharrte Tote zu identifizieren.

Mit einer Knochenlieferung beginnt die Arbeit für Rubiela Caballero und ihre Kollegen in der Küstenstadt Barranquilla. Die Forensikerin leitet eines von sieben Speziallabors in Kolumbien, in denen Tote auch noch nach Jahren unter der Erde identifiziert werden können. Keine einfache Arbeit, denn oft sind die menschlichen Überreste in keinem guten Zustand. “Das tropische Klima lässt selbst die Knochen schnell verrotten”, erklärt Caballero. Nicht immer lässt sich verwendbare DNA aus den Knochen ziehen.

Doch wenn es den Forschern gelingt, Erbinformationen aus den Knochen zu ziehen, sind sie einen guten Schritt weiter. Die Daten kommen in eine landesweite Datenbank und werden mit Proben verglichen, die vorher Angehörige von Verschwundenen abgegeben haben. Die Mitarbeiter sind sich ihrer Verantwortung bewusst: Das schlimmste ist, wenn Angehörige über Jahre nicht wissen, was mit ihren Vermissten passiert ist.

Das Audio gibt es bei dradio wissen – einfach hier klicken und anhören:
Ein Labor gegen das Verschwinden

Eine Generation gegen die Mafia

Kokain ist in Kolumbien ein Weg zum schnellen Geld. Doch gegen die Drogen wehrt sich nicht mehr nur die Regierung, sondern eine ganze Generation. Sie will nicht länger zuschauen, wie ihr Land wieder ins Chaos zurückfällt.

Kokain ist weißes Gold: Begehrt, umkämpft und verboten. Es ist Lifestyle und Lebensinhalt. Und es ist sehr teuer – zumindest dort, wo es genommen wird. In Kolumbien, dem weltweit größten Produzenten, ist Kokain deshalb vor allem ein schneller Weg um reich zu werden.

Das Geschäft mit den Drogen läuft heute zwar immer noch, aber längst nicht mehr so gut wie früher. Denn die Drogenbanden haben viel von ihrer Macht eingebüßt.Neben den Soldaten der kolumbianischen Regierung stellen sich mittlerweile auch viele Menschen ohne Waffen gegen die Gewalt, die Drogen und das schnelle Geld. Es sind junge Kämpfer gegen die Drogenbanden, die etwas dazu beigetragen wollen, ihr Land ein Stück aus dem Chaos heraus zu führen:  Es sind Menschen, die erinnern wollen und nicht vergessen können, junge Journalisten, Forensiker und ehemaligen Guerilleras, die sich gegen die Macht der Drogen auflehnen.

Für on3 habe ich fünf junge Kämpfer gegen die Drogen protraitiert. Dabei ist auch die schöne Grafik entstanden, die auf der on3-Seite auch klickbar ist.

3x live und 1x Aufzeichnung

Am 15. Mai explodierte im Stadtzentrum Bogotás eine Bombe. Der Fernsehsender RCN war mit einem Vierersplitscreen ganz nah dran und zeigte Livebilder vom Ort des Anschlags, die Klinik, in die die Verletzten gebracht wurden, Aufzeichnungen, die direkt nach der Explosion entstanden waren und eine Luftaufnahme von der Universidad Nacional, an der zur gleichen Zeit gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung von Santos demonstriert wurde.

wo die polizei das kokain erntet

Die Polizei in Kolumbien baut Koka-Pflanzen an. Das klingt absurd, hat aber einen Sinn: Wer weiß, wie die Sträucher wachsen, der weiß auch wie sie sich anderswo zerstören lassen. Ein Besuch auf der Plantage.

Cultivo Experimental Hoja de Coca, steht auf einem Schild neben der Hütte: „Kokaversuchsplantage“. Die Idee hinter den grünen Felder ist eigentlich absurd: Cepeda baut hier eine Pflanze an, damit seine Kollegen von der Antidrogenpolizei genau diese Pflanze an anderer Stelle noch schneller vernichten können. Cepeda erforscht, wie man den Kokastrauch am effektivsten zerstört.

Der Antidrogenpolizist Luis Cepeda kennt sie alle: die schwarze und rote Bolivianerin, die peruanische Tingo und die Pajarita. 23.000 Pflanzen hat der Antidrogenpolizist mit dem grünen Daumen auf seiner Plantage. 18 Sorten, von denen viele bisher nur wenig erforscht sind. Kolumbien ist der weltweit größte Produzent von Kokain – und in den Blättern der Kokasträucher befindet sich die Grundzutat. Deshalb finanziert neben der kolumbianischen Antidrogenpolizei auch die USA die Forschung in Cepedas Plantage.

Auf der Anlage hat Cepeda deshalb sogar ein eigenes Drogenlabor, in dem er Kokain herstellt. Seine Erkenntnisse kritzelt er in ein Notizbuch, seine Berichte gehen um die ganze Welt.

Hier gibt es den Besuch auf der Kokaplantage zum Anhören (Drogenbekämpfung mit dem grünen Daumen) oder sich einfach zu den Kollegen von bayern2 klicken.

Und jetzt wird auch noch darüber gestritten, wie viel Kokain denn wirklich in Kolumbien produziert wird. Abweichende Zahlen präsentierten vor kurzem die beiden wichtigsten Analysten: nämlich die Vereinten Nationen und die Vereinigten Staaten. Hier die wichtigen Links:

Die kolumbianische Regierung hat jedenfalls nach den Berichten gleich mal ihre Antidrogenstrategie überarbeitet.