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neverending? war on drugs

Der kolumbianische Staat bekämpfte die Drogenmafia in den 90er Jahren mit brutaler Härte. Erst starb Pablo Escobar, dann wurde auch das Cali-Kartell zerschlagen. Doch dem Drogenhandel hat das anscheinend nicht wirklich geschadet. Kolumbien ist heute der weltweit größte Produzent von Kokain.

Weil die alte Antidrogenpolitik anscheinend nicht gewirkt hat, will Kolumbien jetzt neue Wege gehen – nämlich den, Drogen zumindest teilweise zu legalisieren. Das überlegt nicht irgendwer, sondern Juan Manuel Santos, der Präsident Kolumbiens.

“Trotz unserer größten Bemühungen müssen wir heute doch eines zugeben: Der Handel mit illegalen Drogen geht weiter. Wir müssen deshalb neue Wege suchen, dieser Herausforderung zu begegnen (…). Wenn das die Legalisierung bedeutet und sich die ganze Welt darüber einig ist, würde ich es begrüßen.”

Neu ist diese Idee nicht, dass sich jetzt aber ausgerechnet ein kolumbianischer Präsident für die Entkriminalisierung einsetzt, überrascht schon. Denn in Sachen fortschrittlicher Drogenpolitik, galt Kolumbien bisher als das Bayern Lateinamerikas. Ricardo Vargas, Soziologe vom  Transnational Institute in Bogotá, begrüßt den Kurs der Regierung.

“Kolumbien war bei der Frage der Legalisierung von Drogen lange sehr zurückhaltend. Wenn man uns mit Argentinien oder Mexiko vergleicht, hinken wir auch noch immer hinterher. Aber endlich bewegt sich auch in Kolumbien etwas. Endlich überlegen auch wir wenigstens den Anbau und Besitz von Marihuana zu legalisieren, wenn es für den eigenen Konsum bestimmt ist.”

Mit der Legalisierung, schätzt Vargas, würde die Gewalt abnehmen. Drogen würden billiger werden und damit könnte auch die Beschaffungskriminalität sinken. Nebenbei würde es auch sicherer werden, Drogen zu kaufen. Denn wer etwas kaufen will, der findet reichlich in Kolumbien. In den Straßen des Viertels Chapinero in Bogotá kostet ein Gramm Kokain und ein paar Joints keine 20.000 Pesos, weniger als zehn Euro. (Wer sucht und gut verhandelt, bekommt ein Gramm Kokain für 2$.) Wenn man ein wenig Trinkgeld drauflegt, bringt einem ein Kurier den Einkauf sogar nach Hause. Wer weniger Geld hat, muss in unsicherer Gegenden fahren, um sich einzudecken.

Für Vargas geht die angedachte Legalisierung von Marihuana aber nicht weit genug: Das eigentlich Problem sei der Export und damit vor allem das Kokain. Und da müssten auch die USA mitmachen, damit sich wirklich etwas ändert.